Thematisiert wird hier die Zeit des Völkerbundes (Société des Nations), der UNO in Genf und New York sowie nunmehr Wien.

In den vergangenen 12 Monaten (Stand Februar 2024) habe ich mich mit der Vervollständigung des 3-bändigen aerophilatelistischen Mammutwerkes eines Kataloges verfasst, dass nunmehr insgesamt um die 1.700 Seiten umfasst und eine Recherchezeit von ca. vier Jahren bedurfte. 

Teil 1 beschäftigt sich mit Flugpostzuleitungen und Direktauflieferungen ab den Konferenzen und dem Büro des Völkerbundes zu Zeppelinflügen, Schleuderflügen im Atlantik, Erstflugpost der damaligen Fluggesellschaften, mit dem Gebiet UNO-Genf und New York.

Der 2. Teil beschäftigte sich mit der UNO in Wien sowie der caritativen Ballonpost. 

Im 3.Teil wird es ganz besonders bunt. Weltraum und Raketenpost, wie auch Segelflugpost und weltweite Ballonpost sind hier katalogisiert. Den größten Teil nehmen jedoch die Zuleitungen zu weltweiten Erstflügen ein. INTERFLUG, LUFTHANSA, AIR LINGUS, JAL und so weiter… Der Band ist in der Tat einmalig.

Zu jedem der Bände gibt es einleitende Textpassagen, die ich nach und nach hier vorstelle. Alle zusammen finden sich als Basis zu einer noch detaillierteren Abhandlung zur „Internationalisierung des Alltäglichen“. 

Kapitel 7

Die wandelbare Stadt Wien

Österreich war im „Großen Krieg“ Verbündeter des Deutschen Reiches und in dessen Fortsetzung, dem „zweiten Weltkrieg“ Bestandteil des Gleichen. Seit 1938 gehörte die ehemalige Habsburger Hauptstadt per Volksabstimmung zu Hitlers Berlin. Euphorie an dessen Beginn wechselten 7 Jahre später zur Leugnung ihrer neuen, aber geschlagenen Herren mit den roten Armbinden. Die Ausrichtung der Zukunft auf das System der Siegermächte ging einher mit dem Verkünden der eigenen Unschuld und Schuld wegweisenden Verweisen auf den großen Verführer aus dem Norden. Das eine Nichtaufarbeitung von Ursache und Wirkung auch keine erwartbaren künftigen Probleme lösen hilft, zeigt sich nicht zuletzt in der Handhabung der von Siegern zugebilligten Souveränität in den heutigen Krisenbewältigungen. Ob Währungs-, Gesundheits-, Energie-, Klima- oder Friedenskrise… nichts geht in der Lösung der Fragen ohne das militante Imperium USA.

Dabei waren die Beginne eher hoffnungsvoll. Auch die einsetzende Aufarbeitung der Vergangenheit war positiv konditioniert.

Wien war wie Berlin nach dem Potsdamer Abkommen 1945 eine in Besatzungszonen geteilte Stadt:

Der Neutralitätsstatus wurde am 26.10.1955 vom Österreichischen Nationalrat beschlossen. Die Bundes- hauptstadt sollte eine ideale Voraussetzung für internationale Zusammenkünfte und Kongresse bieten. Eine „immerwährende Neutralität“ Österreichs hat Wien eine Brückenschlagsfunktion zwischen Ost und West zugewiesen.

Besatzungszonen der
Alliierten in Deutschland und Österreich.

Das spektakuläre Gipfeltreffen zwischen Präsident Kennedy und Ministerpräsident Chruschtschow, die SALT-Gespräche und die Zusammenkunft Carter-Breschnjew im Juli 1979 wurden zu viel zitierten Beispielen.

John F. Kennedy mit Nikita S. Chruschtschow 1961 in Wien (Foto: Ron Case/ Keystone Press/Hulton Archive, via Getty Images)

Bereits im Oktober 1946 versammelte sich der Nationalrat zu einer geheimen Sitzung – ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Zweiten Republik mit dem Thema: „Durchsetzung der Souveränität Österreichs“.

Bei den Verhandlungen um einen Staatsvertrag war eine der schwierigsten Fragen der Anspruch der Sowjetunion auf das „Deutsche Eigentum“. Mit einer Ende 1949 erzielten Einigung, die hohe Ablösezahlungen Österreichs bzw. einen Weiterbestand der sowjetischen Wirtschaftsverwaltung in Österreich vorsah, schien der Weg frei für einen raschen Abschluss des Staatsvertrags.

Doch die westlichen Kontrollmächte blockierten den Abschluss. Österreich blieb vierfach besetztes Territorium und die Gefahr einer Teilung des Landes bestand weiter.

Leopold Figl
(02.10.1902 – 09.05.1965)

Nach dem Scheitern der Außenministerkonferenz von Januar und Februar 1954 in Berlin berichtete Außenminister Leopold Figl dem Parlament über die Verhandlungen. Abgeordnete appellierten an die Besatzungsmächte, mit der Einmischung endlich Schluss zu machen und forderten eine „echte Befreiung“.

Neue Strategie: Bündnisfreiheit

Die Verhandlungen kamen 1954 mit einer neuen politischen Option wieder in Gang: Neutralität nach dem Vorbild der Schweiz. Im Frühjahr 1955 gelang es, eine Lösung auszuhandeln, die den sowjetischen Ansprüchen genügte und von den Westmächten, die der von Moskau favorisierten Neutralität skeptisch gegenüberstanden, akzeptiert wurde. Für die Sowjetunion zählte die Garantie, dass Österreich nicht dem Militärbündnis NATO beitreten; für die westlichen Signatarmächte war die Sicherheit ausschlaggebend, dassÖsterreich die politische Westintegration unter US- Hegemonie fortsetzen würde.

Vertrag und freiwillige Verpflichtung

Der am 15. Mai 1955 im Schloss Belvedere in Wien feierlich unterzeichnete Staatsvertrag betreffend die Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreich enthielt jedoch keinen Hinweis auf die Neutralität Österreichs. Die Regierung hatte sich in den Verhandlungen jedoch verpflichtet, „eine Neutralität der Art zu üben, wie sie von der Schweiz gehandhabt wird“.

Leopold Figl präsentierte den Staatsvertrag an der Seite von Außenminister Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow (25.02.1890 – 08.11.1986)…
Heute wird den Russen die Schuld für Amerikas Weigerung der Einigung von
1949 zugeteilt. Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Staatsvertrages hatten
westliche Unternehmen jedoch bereits eine Vielzahl von Wirtschaftsverträgen mit der Sowjetunion. So waren Teile der Jagdflieger „MIG 15-17“ von Rolls Royce oder die „TU 16, 20 und 104“ von Junkers/ BMW. Später wurde der Grundsatz „kopieren“ ist besser als „neu erfinden“ umgesetzt. Die „IL-86“ ist eine Kopie der „Boeing 747“. Die „IL-76“ ist eine Kopie der „C-141“. Beide Designs sind im Wesentlichen gleich. Sogar das NASA „Space Shuttle“ wurde kopiert und nannte sich „Buran“.

Mit einer unmittelbar nach der Zustimmung zum Staatsvertrag am 7. Juni 1955 verabschiedeten Entschließung des Nationalrats betreffend einer Erklärung der Neutralität und zur Aufforderung an die Regierung, ein entsprechendes Gesetz auszuarbeiten, waren bereits die Voraussetzungen für die Ratifikation des Staatsvertrags durch die alliierten Mächte erfüllt.

Am 27. Juli trat der Staatsvertrag in Kraft. Der lang ersehnte, mit 90 Tagen ab Geltung des Staatsvertrags befristete Abzug der Besatzungstruppen begann. Anders als in Deutschland bis in die heutige Zeit, befindet sich in Österreich seit dieser Zeit bereits keine US-Basis mehr.

Das Bundesverfassungsgesetz, in dem Österreich „aus freien Stücken seine immerwährende Neutralität“ bekundete und sich verpflichtete, keinen militärischen Bündnissen beizutreten, beschloss der Nationalrat nunmehr am 26. Oktober 1955, dem Tag nach dem Ablauf der Frist für den Truppenabzug.

Deutschland jedoch (dem die US-Diplomatie zwar das „Grundgesetz“ genehmigte, eine staatliche Souveränität jedoch ausschloss) trat im selben Jahr dem US-Militärpakt bei.

Ballonflüge gehörten seit dieser Zeit zur österreichischen Tradition.

Bundeskanzler Julius Raab sprach in der Nationalratssitzung am 26. Oktober von der Neutralität als einer Verpflichtung für die kommenden Generationen. 1956, wurde erstmals der 26. Oktober als „Tag der Fahne“ (Österreichs späterer Nationalfeiertag) begangen. Die Neutralität, im kollektiven Gedächtnis mit dem Ende der zehnjährigen Besetzung verbunden, war nunmehr tatsächlich zu einem Bestandteil eines neuen Österreichbewusstseins geworden.

Die Präambel wegverhandelte Mitschuld

Ursprünglich enthielt die Präambel zum Staatsvertrag (wie auch die Moskauer Deklaration von 1943) einen Hinweis auf die Mitverantwortung Österreichs am Zweiten Weltkrieg. In den Verhandlungen unmittelbar vor Abschluss des Staatsvertrags war es Außenminister Leopold Figl gelungen, die Alliierten zur Streichung dieses Passus zu bewegen. Dies erleichterte es Österreich, eine Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit unter Hinweis auf die „Alleinschuld Deutschlands“ abzuwehren.

Theodor Körner – erster direkt gewählter Bundespräsident Österreichs (24.04.1873 04.01.1957) – Mit seinen Clausewitz-Studien versuchte er 1937 mit deutschen Militärkreisen eine Diskussion darüber zu führen, dass ein Krieg gegen die Sowjetunion nicht zu gewinnen sei.

Dazu überlagerte ein scharfer, durch den beginnenden „Kalten Krieg“ noch verstärkter Antikommunismus die antinazistische Haltung. Es herrschte breiter Konsens, einen „Strich unter die Vergangenheit“ zu ziehen, wie auch Theodor Körner, der sozialdemokratische Kandidat für das Bundespräsidentenamt, in einer Wahlrede bereits im Januar 1951 forderte. (Quelle: https://www.parlament.gv.at)

Unzureichende Aufarbeitung

Gleichzeitig nahm die Bereitschaft zur Entnazifizierung deutlich ab. Die Parteien begannen offensiv, um die Stimmen sogenannter „Mitläufer“ zu werben.

Mit dem im April 1948 im Nationalrat einstimmig beschlossenen Amnestierungsgesetz wurden „minderbelastete ehemalige Nationalsozialisten“ vorzeitig von den „Sühnefolgen“ entlastet und wieder zu den Wahlen zugelassen. Etwa 500.000 Österreicher profitierten von dieser Regelung, mit der die Entnazifizierung de facto beendet wurde.

Als „Mittler zwischen Ost und West“, welcher darauf freiwillig durch Beschluss (nicht durch Volksabstimmung) seine „immerwährende Neutralität“ bekundete, stand das Land mit seiner antikommunistischen Gesinnung und der Rekrutierung nazistischer Mitläufer wieder im Gefolge derer, die den zweiten Weltkrieg zur Lösung ihrer Allgemeinen Krise, der Strukturprobleme und zum Ausbau ihrer geopolitischen Machtpositionen verwendeten.

Die mittels Beschlussfassung sich selbst zugeschriebene „diplomatische Mittlerrolle“ begann also nicht wirklich aus der gesellschaftlichen Mitte, sondern gründete sich auf denselben kartenhaus-ähnlichen Fundamenten wie jene, die unter der Fremdbestimmung (West-)Deutschlands platziert worden waren.

Wichtig war den Krediteuren des „Zweiten Weltkrieges“ jedoch vor allem das Teilen und die Spaltung des deutschsprachigen Raumes mittels diverser politischer und geografischer Strukturen:

Österreich wieder als souveränes, aber nunmehr westlich orientiertes kapitalistisches Binnenland ohne sowjetische Einflüsse.

– Die Schweiz weiterhin als souveräner Staat mit ihrer völkerrechtlich legitimierten neutralen „Inselfunktion“ sowie als loyale Basis & Mittler & „Hafen“ für die Transaktionen der Globalplayer.

– Das Deutsche Reich als zerstückeltes und zutiefst gespaltenes Land,…

– teilweise unter amerikanischer (BRD) und

– sowjetischer (DDR) Hegemonie, …

– teilweise per Federstrich entvölkert und gebietsmäßig unter

sowjetische (Memel, Ostpreußen…),

polnische (Ostbrandenburg/Pommern, Danzig, Oberschlesien…),

– und tschechische (Nieder-& Oberschlesien) Verwaltung gestellt.

Wurzeln zu den eigenen Ahnen, zur über Jahrhunderte währenden Geschichte, zur eigenen Sprache, Heimat und Kultur wurden gekappt, als nazistisch, revisionistisch und militaristisch verklärt und mit einer medial orchestrierten moralischen Schuldbelastung auch für alle nachfolgenden Generationen belegt.

Eine Aufhebung dieses Zustandes würde nur dann akzeptiert sein, wenn eine dessen funktionierende übergeordnete Instanz unter sicherer Kontrolle des US-Imperiums stünde.

Der Nährboden für sie war im Laufe der Entwicklungen Ende der 80er/ Anfang der 90er Jahre dann tatsächlich gegeben und es entwickelten sich künstlich initiierte Bestrebungen zur Übernahme von nationalen Souveränitäten durch scheinparlamentarische Strukturen einer Institution, die sich später den Namen „Europäischen Union“ (EU) gab. Keine einzige europäische Volksabstimmung legitimierte diese Organisation als eine Art „Regierung“ und deren Recht, verwaltungstechnisch die Übernahme souveräner oder teilsouveräner nationaler Verantwortlichkeiten zu vollziehen (als eine Art Holding).

Allerdings hatte zu dem damaligen Zeitpunkt auch noch niemand wirklich öffentlich damit gerechnet, dass einmal das allmächtige Imperium selbst (ähnlich die der RWG-Staaten) implodieren könnte und damit die stringenten Fesseln der mit ihr verbundenen Vasallen verschwinden könnten.

Oder gerade doch?

Sicht- und spürbar stellte sich die allgemeine System- Instabilität um 2011 herum ein und währt mit dem Jahr 2023 nun schon über 12 Jahre. Das Ineinandergehen von (eigentlich zyklisch verlaufenden) Krisen in immer neue, sich einander ablösenden Rezessionen war deutlich wahrnehmbar.

Asien-Krise (1998) – Millennium-Bug-“Krise“, Internet-Krise (2001) – Immobilien-Krise (2007) & Finanz-Krise (2008/ 2009), Schweine-&Vogelgrippen-Krisen(2009/2010), Griechenland– Krise(2012), Flüchtlings-Krise(2015-17), Corona-Krise(2020), Energie-Krise(2022), Ukraine-Krise(2022-23), Klima-Krise (2023)…, keinerlei Erholungsphasen, keine Konjunkturzyklen… immer neue sich überlappende Konflikte, Kriege, Insolvenzen, Angstmeldungen und folglich kampagnen-motivierte Umverteilungsmechanismen von unten nach oben.

Die Schaffung des Konstruktes „EU“ von der amerikanisch gelenkten und weiterentwickelten EWG heraus war jedoch ein genialer Schachzug, denn heute zeigt sich deutlich, dass selbst nach 80 Jahren Wegbereitung kaum ein (teil-)„souveränes“ europäisches Land mehr wirklich eigene Schritte zu gehen im Stande ist, ohne auf spürbaren Widerstand der von Transferleistungen der Brüssler Verwalter finanziell abhängigen Nachbarländer zu stoßen. Das bremst die einstige amerikanische „Konkurrenz“ effektiv aus und verschafft dem eigenen Überleben und der Umstrukturierung der geopolitischen Pyramide dringend benötigten Raum und Zeit.

Ein Moment der Hoffnung: In der Wiener Hofburg wird die Begrenzung von strategischen Atomwaffen beschlossen. „SALT II(Foto: AFP)

Die Bedeutung Österreichs als „Mittler“ selbst verschwand bereits mit dem Kollabieren des „Ostblocks“ um 1992. Heute ist dessen diplomatischer Stellenwert höchstens sekundär, wenn nicht sogar weitestgehend verschwunden. Bestrebungen auf Wiedererlangung einer „Mittlerrolle“ auf diplomatischem Parkett sind nicht erkennbar, zumal das Land genauso unter dem Zerfall des alten Systems leidet wie alle anderen und eine Art „Neutralität“ nicht einmal ansatzweise erkennen lässt.

Darüber hinaus wurden fast alle lancierten und schließlich getroffenen (und mit Getöse medial gefeierten) Verträge seitens der westlichen Staaten zwar unterzeichnet, aber großteils nicht in den eigenen Parlamenten ratifiziert und somit verbindlich gesichert.

Spätestens gegen Ende der 10er Jahre des 21.Jahrhunderts wandte sich der Fokus der Weltpolitik vom US-dominierten (und zunehmend vertragsbrüchigen) Westen weg und zum asiatischen Raum hin, welcher sich zudem seit Jahren erfolg- reich auf der finanzpolitischen Seite von der überstrapazierten US-Dollar-dominierten Privatwährung abkoppelte.

Damit sank auch massiv die Bedeutung der indoktrinierten europäischen Atlantikbrücken-Diplomatie, die zudem merklich auf „Blockade und Dissens“ als auf „Kooperation und Konsens“ (wenn auch nur mit kleinem politischen Nenner) zugerichtet wurde.

Für die neue Weltgemeinschaft der „BRICS-Staaten“ (beginnend mit Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika {Beitrittsgesuche von 20 weiteren Staaten liegen vor}) sind die alten „G7-Staaten“ (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, USA) nicht einmal mehr ernst genommene Verhandlungspartner. Zumal die „alte Welt“ in ihrer systemimmanenten Zerstörungswut alle elementaren Brücken in die Neue brach (hier vor allem gegen Russland). Beginnend mit der Kappung der SEPA- Finanzstruktur, der Zerstörung von analoger, hocheffizienter Infrastruktur des energiesichernden Rohstoffbezuges (über Pipelines), bis hin zur EU-Sanktion mit dem lächerlichen Verbot des Liefern’s von Klosettbecken an Moskau. Die vorsätzliche Vertragsbrüchigkeit des Westens wird gegenwärtig ausgereizt und durch selbstinitiierte politische Argumente gestützt.

Welche Art von Diplomaten innerhalb der westlichen Hemisphäre sind hier noch in der Lage (ggf. gegen ihre eigenen Regierungen) aus Vernunftsgründen zu wirken?

Militärstützpunkte der NATO (USA) und Russland im Vergleich. Stand: 2015 (Abb: SIPER.ch)

Hier kommen erstmals die Regionen der Welt zur Geltung, die lange Zeit keinerlei internationale Würdigung erfahren haben. Die Länder Afrikas, Asiens und Lateinamerikas leben untereinander wohl eher selten in militärischen Konflikten und verinnerlichen eine friedliche Koexistenz unterschiedlich beschaffener Staaten tiefer, als das US- Imperium mit seinen über 1.000 Militärstützpunkten auf der Erde, welches selbst mit seiner von Privatbanken kreditierten Vereinnahmung Anfang des 20.Jahrhunderts, kaum ein Jahr in Frieden existieren konnte und in Anbetracht der Traum- Renditen auch nicht wollte.

Mit Erfolg wehrten sich die UNO-Beamten noch 1979 gegen den Umzug ins fremdenfeindliche Wien

Zehn Jahre wurde geplant, gebaut und vor allem gezahlt. Anfang 1978 war die Wiener UNO-City bis auf die Innenarbeiten fertig. In den Wiener Medien galt sie als „pompös und monströs“, als „Superding aus sechs Y-förmigen Türmen“, deren höchster 120 Meter misst. Mitte 1978 könnte sie bereits bezogen werden, doch statt Jubel löste das „Donauparkzentrum“ eher Unbehagen aus. Keine einzige der vielen UNO- Organisationen aus Genf oder New York drang in die neuen Wiener Büros. Im Gegenteil, alle kämpften vehement gegen den Umzug an die Donau. Und sofern es sich um interessante Großorganisationen handelte, kämpften sie durchweg mit Erfolg. Schuld am Dilemma trägt fraglos die damalige Gigantomanie der Vereinten Nationen.

1967 bereits entschloss sich Österreich zu einer Sonderanstrengung zwecks Hebung seines internationalen Prestiges. Unter der ÖVP-Alleinregierung von Josef Klaus hatten die Planungen für die Errichtung eines internationalen Verwaltungszentrums begonnen. Im Frühjahr 1968 wurde ein internationaler Architekturwettbewerb für einen Bürokomplex zwischen Donaupark und Wagramerstraße ausgeschrieben. 656 Architekturbüros aus 50 Staaten nahmen am Wettbewerb teil. In einem zweiten Anlauf – unter Kreisky – wurde das Projekt des Österreichers (!) Johann Staber angenommen und im September 1973 der Grundstein gelegt. Die österreichische Regierung versprach, auf eigene Kosten das Zentrum zu bauen und dieses zum Symbolpreis von einem Schilling pro Jahr auf 99 Jahre an die Vereinten Nationen zu „vermieten“.

Ziel war dabei neben der Erreichung einer internationalen Reputation auch eine sich entwickelnde Wertschöpfungsquelle zu generieren. Wenn man nicht nur die UNO-Organisationen, sondern alle in Wien angesiedelten internationalen und sonstigen NGO’s betrachtet, fällt eine doch ansehnliche Wertschöpfung ab.

So entfallen laut einer vom Außenministerium beauftragten „IHS-Studie“ aus dem Jahr 2018 von einer Wertschöpfung in Höhe von insgesamt 1,5 Milliarden Euro pro Jahr – Ausland inkludiert – rund 638 Millionen Euro auf Österreich, davon 369 Millionen Euro allein auf Wien.

Insgesamt werden durch die internationalen Organisationen in Österreich rund 18.000 Arbeitsplätze pro Jahr generiert.

Aufgabe der neuen Büroburg sollte es in erster Linie sein, die beiden bereits in Wien ansässigen UNO-Organisationen OAEA (die Atombehörde) und UNIDO (die Industrialisierungshilfe) räumlich zu vereinen. Die UN stellte aufgrund großzügiger Expansionspläne 7.000 Angestellte in Aussicht. 4.700 Schreibtische wurden darauf sogar bereits im Voraus gefertigt. Darauf verfügte die Zentrale der erste große Sparprogramm. Die Besetzung der Behörden reduzierte sich darauf auf nur noch 2.400 Personen. Das verärgerte die Österreicher natürlich entsprechend .

UNO-City Wien 2023 (Foto: ORF)

Sie setzten ihren Landsmann, den UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim unter massiven moralischen Druck. Damit erreichten sie dreierlei:

1.) Wien nebst New York und Genf zur dritten offiziellen UNO-Konferenzstadt erklärt wurde;

2.) dass sich die Vereinten Nationen verpflichteten, die gesamte Anlage Donauparkzentrum in eigene Verantwortung zu übernehmen;

3.) dass die UNO eine „optimale Verwendung“ der gesamten Bürofläche zusicherte.

Waldheim ließ 1976 eine respektable Liste all jener UNO- Organe und Dienststellen zusammenbasteln, deren Verlegung nach Wien ihm diskutabel erschien. Recht schnell jedoch ist diese Liste kläglich zusammengestrichen worden. Da waren einerseits die Schweizer Behörden, die den Exodus aus Genf mit raffinierter Diplomatie verhinderten. Da waren andererseits die betroffenen UNO-Beamten selbst, die zu Wien entsetzt „danke“ sagten. In einem bürokratischen Dschungelkrieg ohne Beispiel vermochten sich praktisch alle großen UNO- Organisationen um den Standort-Wechsel herumzudrücken. Nur einige unwichtige kleine Einheiten mussten sich wohl oder übel im Donaupark ansiedeln. 1979 belegten IAEA und UNIDO schließlich die für sie reservierten Schreibtische. Ebenfalls 1979 kamen die ersten Zuzügler-Kontingente, bestehend aus dem „Zentrum für Sozialentwicklung und humanitäre Angelegenheiten“ aus New York, die sogenannte Sozialabteilung aus Genf, das Büro für Internationales Handelsrecht aus New York und die drei kleinen Suchtgift- Einheiten aus Genf, alles in allem rund 300 Personen.

Unterzeichnung des Postvertrages in New York (Abb: UNOPost)

Zwischen 1980 und 1983 tröpfelten dann nochmals 50 bis 100 Leute pro Jahr hinzu, wobei die Kandidaten vor der Eröffnung des VIC noch nicht feststanden. Die UNO in Wien hatte platzmäßig ein Übermaß, währenddessen sie in New York und Genf aus allen Nähten platzte.

Heute arbeiten mehr als 5.000 Personen aus über 125 Ländern am Sitz der UNO in Wien. Zum Vergleich in Genf sitzen mehr als 40 internationale Organisationen, 177 diplomatische Vertretungen und über 380 Nichtregierungsorganisationen. Insgesamt leben und arbeiten dort rund 26.000 Diplomaten und internationale Beamte sowie 2.400 NGO-Mitarbeiter, die allerdings zusammen mit vielen Angestellten der UN nicht selten unterhalb des Mindestlohns arbeiten. Jährlich finden 2.800 internationale Konferenzen und Tagungen mit bis zu 170 – 200.000 Teilnehmern statt. 70.000 Arbeitsplätze „schafft“ der internationale Status in der Genfer Region. Davon kann Wien heute (mit einem Viertel dieser Zahlen) nur träumen.

Dabei erhob sich natürlich die Frage, weshalb die Donaustadt schon Mitte der 70er Jahre so wenig begehrt war?

Weil es ihr an der nötigen „Infrastruktur“ für eine internationale Beamtenschaft fehlte.

Spähtrupps aus dem UN-Hauptquartier bemängelten nicht nur die erstaunlich hohen Preise in Österreich (laut UNO-Statistik war Wien weit teurer als New York, selbst teurer als Paris). Sie konstatierten obendrein miserable Verkehrsverhältnisse infolge der eingestürzten Reichsbrücke und ein Manko an internationalen Schulen. Schließlich fiel ihnen unliebsam auf, dass sie wegen der starren Wiener Ladenschlusszeiten ab 18 Uhr nichts mehr einkaufen konnten.

Die österreichische Bundesregierung und Wiener Stadtverwaltung stecken jedoch voller guter Laune. Sie wollen retten, was noch zu retten ist. Eine eigene „UNO-Schule“ wurde bis 1982 geplant. Ein „UNO-Kindergarten“ auf einer stillgelegten Seebühne der einstigen Gartenbau-Ausstellung, sogar eine Moschee sollte nahe der UNO-City entstehen.

In einem Punkt kamen wohl alle Anstrengungen zu spät. Die Fremdenfeindlichkeit der angeblich so goldherzigen Wiener war gewiss nicht über Nacht beizukommen. Und wie denn auch? Es bedarf eines folgenden langjährigen zähen „Freundlichkeitsfeldzugs“, um die „UNO-Stadt Wien“ auch mit einem weltoffenen UNO-Klima auszustatten.

Dieser startete mit der Eröffnung des Donauzentrums im August 1979. Eine entfesselte Charme-Initiativ-Kampagne, die seinesgleichen suchte, fasste auch die Gewinnung von Philatelisten ins Auge, die dem immer beliebter werdenden Sammelgebiet „UNO“ ihre Aufmerksamkeit schenkten. Die meisten Briefmarkensammler verbinden diesen dritten Amtssitz der UN vor allem mit der Entstehung des neuen Sammelgebietes „UNO-Wien“, dass sich rasend schnell zu einem der Beliebtesten überhaupt entwickelte.

Bislang sammelte man konventionell das, was eben alle sammelten. In der Regel waren das die Standards „Altdeutschland, Deutsches Reich, BRD, DDR, Österreich, Schweiz…“ und dann erst andere Gebiete. Selbst die Aerophilatelie fristete ein gewisses Nieschendasein, wenn man mal von Zeppelin- & Katapultpost absieht. Flugpostvereine wie der IAPC (BRD), der SAV (Schweiz), der ÖFSV (Österreich) und der ZAKL (DDR) hatten zwar recht viele Mitglieder und doch war es übersichtlich.

Als die UNO in Wien ihre ersten Briefmarken herausgab, änderte sich der Status von heute auf morgen. Es entwickelte sich geradezu ein Run auf diese neuen Marken, die sich anfänglich, außer in Farbe, Sprache und Währung, nicht von denen der beiden anderen Ämter unterschieden. Aber sie waren eben in deutscher Sprache gedruckt und gerieten so in den Fokus der damals über drei Millionen Philatelisten im deutschsprachigen Raum. Das blieb nicht ohne Konsequenzen und die Auflagenzahlen der Ausgaben, auch der beiden anderen Verwaltungen im Schlepptau, stiegen.

Die ersten Sammler begannen sich auf die Suche nach „Besonderheiten“ zu machen, nach dokumentationswürdigen Belegen, Aufgabezetteln, Telegrammbestätigungen, Bahnhofs- briefen, Abarten aller Art und natürlich in Mengen FDC’s (Ersttagsbriefe), Marken mit Zierfeldern, sogenannte Erinnerungskarten, Jahresmappen und die beliebten „Weißen Karten“, die zu Ausstellungen als Souvenir verkauft worden waren. Nach und nach, spätestens Ende 1980, Anfang 1981 geriet das Sammelgebiet „UNO-Flugpost“ nach und nach in den allgemeinen Sammlerblick. Die Belege waren interessant, lockerten manche Sammlung mit anderen Themen auf, bekamen eigene UNO-Sonderstempel (was vorher kein anderes Amt so handhabte) und hatten verhältnismäßig wenig Ausfälle. Selbst Sammler in der DDR gaben ihre frankierten Belege der Wiener-UNO-Postverwaltung (UNPA) zur Weiterleitung und bekamen sie (natürlich von entsprechend staatlichen Stellen genauestens kontrolliert) mit der regulären Post zurück. Nun war neben der BRD die DDR ja seit 1973 selbst Mitglied der internationalen Organisation, was ein Unterbinden von philatelistischen Kontakten zu den Stellen vor Ort ausschloss.

Und so versuchte der „neue Stern“ am Himmel der Philatelie namens „UNO-Wien“ das erwartungsvolle schwarz/weiße Vakuum mit Farbe zu befüllen, welches die herkömmlichen Protagonisten mit ihrem „Haben wir doch schon immer so gemacht!“ hatten so ziemlich einstauben lassen. Der aschgraue „zackenzählende“ Philatelist mit zerkratzter Lupe und gebogener Pinzette bekam seine kleine Chance zu einem bunten Schmetterling zu „metaporphieren“.

Ich kann mich noch gut an die etwas mitleidigen (doch eher herabwürdigen) Blicke erinnern, die ältere Sammler mir als Jugendlicher entgegenbrachten, als ich ihnen 1982 mein nunmehr ausschließliches Sammelgebiet bei Treffen im Ortsverband Berlin-Weißensee mitteilte. Nachdem mir bei Berliner Tauschtagen wiederholt einige meiner Tauschalben gestohlen wurden (ja, auch Philatelisten sind teilweise hochkriminell), entschloss ich mich mein Sammelverhalten zu ändern. „Na, da haste ja nicht viel zu tun und bist wenigstens schnell komplett.“ Nun, dieses Handbuch nach 40 Jahren „Komplettierung“ (welche man wohl nie erreichen kann) zeigt, dass „schnell“ auch relativ gemeint sein kann. .

Das der Höhenflug der UNO-Philatelie allerdings nicht lange gut gehen konnte, war zwar damals nicht abzusehen, liegt aber auf der Hand. Was währt schon ewig?

Es ergab sich also fast automatisch die Notwendigkeit, die Tätigkeit der Postverwaltung neben New York und Genf auch auf Wien auszudehnen. Die österreichische Bundesregierung bekundete 1977 ihr Interesse und legte einen entsprechenden Antrag dem „Exekutivrat des Weltpostvereins“ (der UPU in Bern) vor. Dieser stimmte dem 1978 zu, und genehmigte damit die Ausgabe von Briefmarken der Vereinten Nationen in österreichischer Währung im Hinblick auf die Verwendung durch den in Wien befindlichen Teil des UNO-Sekretariats.

Gut,… ist vielleicht ein wenig wie ein „Heimspiel“, wie wenn eine „Konzernunterabteilung“ (nicht der Aufsichtsrat) der eigenen Zentrale ihre Begehrlichkeiten genehmigen muss.

Oder ist das Unterverhältnis vielleicht ein ganz anderes? Die UPU ist schließlich Verwalter der weltweiten infrastrukturellen Netze (nicht die UNO). Die muss, wie jeder Verwalter einer Handelszone in Bern eine Lizenz beantragen, um in einem Netz tätig zu werden und Leistungen anzubieten. Für diese Obliegenheit erhebt die UPU Gebühren, welche z.B. auch in jeder Briefmarkenemission enthalten und abgegolten sind.

Der „Postvertrag zwischen den Vereinten Nationen und der Republik Österreich“ (die ebenfalls eine Lizenz der UPU erworben hat) wurde darauf am 28.06.1979 in New York unterzeichnet und am 24.08.1979 erschienen für Wien die ersten UN-Emissionen (als Dauerserie) in Schillingen.

Üblicherweise werden Briefmarken von „Staaten“ mit eben der Verfügungsgenehmigung über entsprechende Netze herausgegeben. Ein Hoheitsgebiet mit einer postalischen Infrastruktur ist die wichtigste Voraussetzung und Sinn für die Verwendung von Briefmarken als Quittung für die im Voraus zu bezahlende Beförderungsgebühr. Briefe wurden mit dem Bekleben dieser „Quittungen“ dann freigemacht. Das ist im Bezug auf die Postverwaltungen der UNO (in allen drei Amtssitzen) aber nicht gegeben. Kein einziges Postauto, kein Zusteller der UNO-Post, … nicht mal Brieftauben stehen in ihren „Diensten“. Alles wird durch die jeweiligen Gastgeberländer organisiert und abgerechnet. Die Einnahmen aus den verwendeten Emissionen stehen den Staaten zu, die der unbenutzten Verkäufe kann sich wiederum die UNO- Buchhaltung zu ihrer eigenen Finanzierung gutschreiben.

Das ging solange gut, wie die jeweilige Postverwaltungen der Gastgeberländer noch halbwegs staatlich waren und der Run auf die Ausgaben groß. Mitte der 90er Jahre wendete sich aber das Blatt und auch diese Branche wurde auch öffentlich „kommerziell“. Dazu dünnte sich merklich die Sammlerschaft aus zunehmenden Frust und Altersgründen aus. Die elektronische Post löste zudem den analogen Brief ab.

Die Begehrlichkeiten und Einnahmeerfordernisse auf der Verkäuferseite wuchsen ungeachtet des schwindenden Käuferpotenzials. So wurden einzelne Markenausgaben marketinggerecht in „10er und 20er Bogen“ gedruckt und als „Kleinbogen“ verkauft,… lustige Souvenirkarten und Aktionen (Panzerbeförderung, Postkutschen, Kamele, Elefanten…) organisiert, die ja nicht bei der österr. Post abgerechnet werden mussten und damit, nach Abzug des organisatorischen Aufwandes, eigene Einnahmen generierten.

Nun will ja ein ernsthafter Sammler auch alles auf seinem bearbeiteten Gebiet irgendwie weitestgehend „komplett“ bekommen, also kaufte man, wenn auch Zähneknirschend. Das ging nicht ewig so weiter. Die meisten Sammlungen, die heutzutage von den Erben der Sammler angeboten werden, reichen deswegen nur bis spätestens zur Jahrtausendwende. Viele Freunde der UNO-Philatelie hatten bereits zu dieser Zeit das Handtuch geworfen.

Von jährlichen Kosten bei Briefmarken-Neuerscheinungen in Höhe von vielleicht 20 DM (1986) wuchs die einfache jährliche Belieferung auf über 200 Euro (2020). Also das 20ig-Fache. Und alles mit der Hoffnung seitens der geschäftigen UNPA, dass die gekauften Ausgaben immer schön ins Album einsortiert und sie nicht etwa doch postalisch verwend werden. So, wie man eben Lackbilder, Aufkleber, Schlüsselanhänger oder Abzeichen sammelt. Denn auf Briefen verwendete Gebührenquittungen schmälern den buchhalterischen Gewinn der UNO.

Einen Haken hat die Sache mit den „UN-Souvenirmarken“ aber trotzdem. Wenn die Postverwaltung Briefmarken emittiert, entstehen Kosten (für den Designer/ Künstler, die Verwaltung, die Druckerei, den Vertrieb). Diese Werte werden buchhalterisch als einmaliger Aufwand verbucht. Die Verkäufe werden dann buchhalterisch als Einnahmen (also ins Haben) gesetzt. Da Briefmarken aber Quittungen sind, die als von Nutzern einer Dienstleistung bezahlten „Vorschuss“ für Lieferungen und Leistungen seitens der Emittenten gelten, müssten diese als Verbindlichkeit oder als „Rückstellung“ (auf die Sollseite) verbucht sein, welche bei einer Verwendung dieser dann aufgelöst werden müssen und dann den (i.d.R. zu versteuernden) Gewinn erhöht. Und das, ohne weitere (infrastrukturelle) Kosten gegen zu rechnen. Es ist quasi so wie in einem Schneeballsystem, in dem die UNO immer mehr und immer teurere Marken herausbringen muss, um die Rechnungen der Gastgeberländer bezüglich des Nutzens der jeweiligen Postinfrastruktur vergüten zu können. Oder man kommuniziert eben die eigene Eigenschaft um und nennt sich „Souvenirshop“. Aber auch dabei hatte die UN- „Konzernunterabteilung“ (UPU) keinen Widerspruch parat. Zumal das Postwesen weltweit von Staatslizenzen zu Firmenlizenzen (inkl. Versubbungen) wechselte. Heute bringen auch keine Postbeamten mehr die Briefgeheimnisse nach Hause, sondern ein mindestlohnabhängiger Zusteller der „Irgendwer AG“.

Die Einführung des Euros im Jahre 2002 wurde damit zum Segen, entwertete sie doch mit einer kleinen Übergangsfrist alle alten in Millionenauflagen gedruckten Schilling-Werte. Sie realisierten so die nicht verwendeten Vorausauslagen der Käufer als Verkaufsgewinn, ohne dass vielleicht heute noch Briefe mit diesen Marken befördert zu werden bräuchten und damit Rechnungen seitens der Österreichischen Post zu befürchten wären. Aber dazu sind „Währungsreformen“ ja auch schließlich da. Verkauft wurden damals noch Restbestände in Fun-Packs, die mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine begrenzte Gültigkeitsdauer von wenigen Monaten hatten.

Der absolut letzte Sargnagel der einst hochwertigen Markenausgaben war jedoch geschlagen, als die Verantwortlichen entschieden, doch auch selbst Marken am örtlichen Drucker herzustellen und sogenannte „personalisierte Markenblöcke“ anzubieten und diese dann mit Aufschlag zu verkaufen. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen. Das frustete viele Sammler derart, dass sie das einzig Logische in dem Moment unternahmen. Sie wendeten sich von der Neuheiten-UNO-Philatelie ab und zogen die Reißleine.

Heute sind die europäischen UN-Postverwaltungen nur noch ein (in)transparenter Schatten von einst. Viele teils engagierte Mitarbeiter in Genf und Wien wurden frei- oder umgesetzt. Ein überschaubarer Rest ohne jegliches philatelistisches Bewusstsein oder gar Bindung zur Philatelie, hält im allgemeinen Angestelltenverhältnis und innerhalb der Arbeitszeiten den Karren mehr schlecht als recht am Laufen.

Sollte die Arbeitsweise der „weltweiten Hoffnung auf Frieden“ genau so vonstatten gehen wie die Arbeit ihrer eigenen Postverwaltung, dann ist es sicher nicht besonders gut bestellt um die Interessen und Bedürfnisse der Menschheit. Als Kernfrage stellt sich nicht „ob“ die UNO eine Zukunft habe, sondern „für wen“ ihr eine Zukunft zugedacht wird.

(Buchversion des zweiten Bandes: https://aerophil.de/shop/?NEEDL=83755&showArchive=1&Suchauftrag=1#toggleButton1

Eine Fortsetzung der inhaltlichen Wiedergabe der Textteile folgt erst mit Erscheinen des dritten und vor allem vierten Bandes. Im Kapitel 8 dieser Publikation gebe ich noch einige Sternchen des Sammelgebietes zum Besten.