Thematisiert wird hier die Zeit des Völkerbundes (Société des Nations), der UNO in Genf und New York. 

In den vergangenen 12 Monaten (Stand Februar 2024) habe ich mich mit der Vervollständigung des 3-bändigen aerophilatelistischen Mammutwerkes eines Kataloges verfasst, dass nunmehr insgesamt um die 1.700 Seiten umfasst und eine Recherchezeit von ca. vier Jahren bedurfte. 

Teil 1 beschäftigt sich mit Flugpostzuleitungen und Direktauflieferungen ab den Konferenzen und dem Büro des Völkerbundes zu Zeppelinflügen, Schleuderflügen im Atlantik, Erstflugpost der damaligen Fluggesellschaften, mit dem Gebiet UNO-Genf und New York.

Der 2. Teil beschäftigte sich mit der UNO in Wien sowie der caritativen Ballonpost. 

Im 3. Teil wird es ganz besonders bunt. Weltraum und Raketenpost, wie auch Segelflugpost und weltweite Ballonpost sind hier katalogisiert. Den größten Teil nehmen jedoch die Zuleitungen zu weltweiten Erstflügen ein. INTERFLUG, LUFTHANSA, AIR LINGUS, JAL und so weiter… Der Band ist in der Tat einmalig.

Zu jedem der Bände gibt es einleitende Textpassagen, die ich nach und nach hier vorstelle. Alle zusammen finden sich als Basis zu einer noch detaillierteren Abhandlung zur „Internationalisierung des Alltäglichen“.

Kapitel 2

Die UNO (United Nations Organization/ Nations Unies/ Vereinte Nationen)

Bis auf den Vatikanstaat und Palästina (Nichtmitglieder mit Beobachterstatus), vom Westen nicht anerkannte Republiken (Donezk & Luhansk bis zu ihrem Beitritt zur Russischen Föderation per Referendum), Kosovo sowie die Türkische Republik Nordzypern (TRNZ), die kaukasischen Republiken Abchasien und Südossetien, die Cookinseln, Niue, Taiwan und die Westsahara sind alle Staaten ordentliche Mitglieder bei den Vereinten Nationen. Indigene Völker sowie Nationen ohne eigenes Staatskonstrukt sind keine zugehörig- ordentlichen Mitglieder der Weltorganisation. Dafür jedoch z.B. die „Europäische Union“ (EU) als künstliches Konstrukt.

Flagge mit Symbol der UNO (Hier kommt noch ein extra Kapitel „Symboliken der internationalen Organisation“

Als internationale Nichtregierungsorganisation ist die UNO nur indirekt demokratisch legitimiert. Volksabstimmungen zum UNO-Beitritt gab es in der Regel keine, eine Ausnahme bildete die Schweiz (wie auch schon der Beitritt zum Völkerbund). Auch die Mitglieder der Organe der UNO werden von den Regierungen der jeweiligen Staaten bestellt (nicht gewählt). Aus diesem Grund ist die UN-Generalversammlung auch nicht als „Parlament“ zu bezeichnen, da sie weder demokratisch legitimiert ist und damit auch keine bindenden Entscheidungen treffen kann. Zudem begann nach dem Ende des Kalten Krieges 1990 die „Epoche“ der NGO’s. Die Entstaatlichungen zeigten sich in einigen sichtbaren und unsichtbaren Formen, wie der Abtretung von hoheitlichen Vollmachten an internationale Organisationen und beispielsweise der Privatisierung und Vergabe von Lieferungen und Leistungen aus der Grundversorgung der Menschen an gewinnerzielungsbeabsichtigte Subunternehmen. Vielmehr ist sie ein „Verhandlungsforum“ für Diplomaten aus aller Welt sowie richtungsweisend bei der Aushandlung internationaler Verträge und der Thematisierung von weltpolitischem Geschehen.

Bildteil eines FDC’s

Schwächen zeigten sich jedoch deutlich in Konfliktzeiten. Wenn beispielsweise die USA eine der vielfachen Völkerrechtsbrüche beging, verhinderten sie mit ihrem Veto eine Verurteilung bzw. Unterbindung des Gewaltverbotes. Wenn die Russische Föderation das Gewaltverbot missachtete, kann sie zwar mit ihrem Veto eine bindende Verurteilung umgehen, aber die trotzdem einsetzende „Bestrafung“ mittels ökonomischer Sanktionen nicht verhindern. Auch ist die Diplomatie derzeit (2022/2023) an einem historisch niederen Punkt angelangt. Die Weltorganisation zeigt sich untätig und unfähig zu Kompromissen, da sie westlich einseitig gesteuert ist.

Zudem lässt die Generalversammlung nur Vertreter von jeweilig anerkannten Regierungen zu, die Auffassungen von Oppositionsparteien bleiben im UN-System unberücksichtigt, allerdings auch nur solange sie nicht im Interesse der US- Administration wirken. Organisationen, wie das „Komitee für eine demokratische UNO“, das „Europäische Parlament“ oder das „Pan-Afrikanische Parlament“, machen sich seit langem stark für eine Parlamentarische Versammlung bei den Vereinten Nationen, welche aus demokratisch gewählten Mitgliedern bestehen soll. Eine vergleichbare, bereits bestehende Institution ist die „Interparlamentarische Union“.

Es ist dann gut und richtig, wenn Wahlen per se ordentlich/ regulär und frei abgehalten werden und nicht zum Machterhalt eines bestehenden Systems manipuliert werden können. Softwarebasierende Wahlbetrugsaktivitäten in der westlichen Welt der vergangenen Jahre legitimieren im Grunde keine der aktuellen Regierungen. Das macht selbstverständlich auch internationale Verständigungen untereinander nicht einfacher. Es sei denn, es stünde eine mittelnde regulierende Institution über der UN. Eine Art „Aufsichtsrat“.

Das führte mich zu der Frage, wie und warum dieser Riesen- Moloch mit einem Budget von 3,23 Milliarden US-Dollar entstehen konnte, in welchem die USA über ein Fünftel der Einnahmen beisteuert.

1942 war man sich bereits einig, dass nach dem Kriege (in San Francisco/ USA) die internationale Organisation „Vereinte Nationen“ für das von Gott gesegnete Amerika gegründet wird.

Eine weltweit tätige Organisation zur Durchsetzung der imperialen Interessen der damals mächtigsten Nation der Welt. Mit der „Erklärung der Vereinten Nationen“ schlossen sich schließlich 26 Länder zusammen, „um den Faschismus zu bekämpfen“. Dieses Ziel galt damals (wie heute) als wesentlicher gemeinsamer Nenner über die entstehenden neuen Machtblöcke hinaus. Kurz vor dem Ende des Weltkrieges trafen sich die Alliierten im April 1945 in San Francisco und riefen sechs Monate später offiziell die UNO ins Leben.

Der Standort

Die Frage des Standortes eines ständigen UN- Hauptquartiers war zunächst nicht Gegenstand der Konferenzen und Vereinbarungen in der Frühzeit der Entwicklung der Vereinten Nationen. Auch auf der Gründungskonferenz in San Francisco war dafür kein Tagungsordnungspunkt angesetzt worden. Erst mit der Einsetzung der PCUN (Vorbereitende Kommission der Vereinten Nationen) wurde dieser mehr als Organisationsproblem angesehenen Frage nachgegangen. In der Vereinbarung über die Aufgabenstellung der PCUN heißt es unter Punkt 1g: „Die Kommission soll Studien und vorbereitende Vorschläge über den Standort eines ständigen Hauptquartiers anfertigen.“

Dieser allgemein gehaltene Auftrag ließ der PCUN noch alle Möglichkeiten offen, wohl eingedenk des Umstandes, dass bei der Standortwahl doch noch genug nationale und politische Emotionen sowie Streitigkeiten auf dem Verhandlungstisch landen würden. Die PCUN übertrug ihren Auftrag auf das Executive Committee 8 (General Questions; Vorsitzender R. E. Mac Eachen, Uruguay) zur Vorbereitung. Nach ersten Untersuchungen, Gesprächen und Studienreisen votierte das Executive Committee am 03.10.1945 mit 9 zu 3 Stimmen bei 2 Enthaltungen für einen Standort in den USA.

Viele Delegierte sprachen sich für einen Standort in Europa aus (in der Diskussion waren London, Paris und Genf), welches immer noch kultureller, wirtschaftlicher und politischer Mittelpunkt der Welt ist und gerade nach dem 2. Weltkrieg mit seinen verheerenden Auswirkungen ein sinnvoller Ort für eine internationale Organisation mit den vordringlichen Aufgaben der Friedenssicherung, der Flüchtlingshilfe und des Wirtschaftsaufbaus darstellte. Einen Sitz im größten Land der Erde, der Sowjetunion, hatte niemand im Sinn. Außerdem seien in den USA bereits die Hauptquartiere von UNRRA, IMF, FAO und der IBRD. Diese Argumente blieben nicht ohne Resonanz, so dass es auf der Sitzung der PCUN am 15.12.1945 nur zu einer knappen Niederlage der Europa-Befürworter kam, als mit 25 zu 23 Stimmen bei 2 Enthaltungen ein Erweiterungsantrag zum Vorschlag des Executive Committee 8 auf Europa abgelehnt wurde.

Diese Abstimmungsniederlage der Europa-Befürworter führte dann noch dazu, dass sich die PCUN abschließend mit 30 zu 14 Stimmen bei 6 Enthaltungen zugunsten eines Ortes in den USA als Vorschlag für die erste Generalversammlung entschied. Im Nachhinein betrachtet fiel damit die Standortwahl gegen Europa nur knapp aus. Vielleicht waren auch die negativen Erfahrungen mit der „Quasselbude Völkerbund“ (O-Ton: Stalin) und dessen Sitz in Genf mitbestimmend. Andererseits zeigt die Favorisierung der USA auch deren damalige unangefochtene Vormachtstellung, die aufgrund ihrer militärischen und wirtschaftlichen Stärke nach dem 2. Weltkrieg das unumstrittene Imperium wurde und Europa den Rang als ‚Machtzentrum der Welt‘ ablöste. Dies zeigt sich auch im Verhalten der UdSSR, die keine Einwände gegen einen Standort in den USA vorbrachten. Vielleicht unterschätzten sie auch nur die zukünftige Bedeutung der Vereinten Nationen und sahen sie vielmehr als „neues Lieblingsspielzeug“ des damaligen amerikanischen Präsidenten Roosevelt an, ähnlich wie „Wilson’s Völkerbund“.

Schon fünf Jahre später jedenfalls wäre es bei der sich abzeichnenden Polarisierung der Welt und dem Koreakrieg undenkbar gewesen, das Hauptquartier der UN in einem der beiden Länder der Supermächte zu errichten ohne ein Scheitern oder eine Spaltung der UN zu riskieren. Für alles gibt es ein Zeitfenster. Mit dem Einsetzen des Kalten Krieges noch in den 40er Jahren und dem Wiederaufleben der Feindseligkeiten gegen die Sowjetunion als Geschäftsmodell wäre es mitnichten zu einer Übereinkunft des Standortes „New York“ gekommen. In den heutigen Zeiten erscheinen selbst „Genf“ und „Wien“ als alles andere als neutraler Boden für das Parkett der Diplomatie. Da klingen selbst Städte wie Istanbul und Budapest interessanter.

Obwohl der Rahmen eigentlich schon durch die Generalversammlung in London (10.01.-14.02.1946) beschlossen worden war, brach nun die Diskussion über den Standort abermals auf. Selbst die Entscheidung zugunsten der USA wurde durch Anträge von europäischen Delegationen zugunsten Europas wieder in Frage gestellt. Dazu votierten insbesondere asiatische Delegationen für San Francisco (wegen der Westküstenlage) als Standort.

Nach einer wahren Flut von Abstimmungen für und gegen irgendetwas einigte sich die HQ Kommission erst auf ihrem 17. Treffen am 14.11.1946 schließlich auf vier Städte in den USA als engere Wahl: New York City, Boston, San Francisco und Philadelphia. Die Generalversammlung billigte diese Entscheidung und verschiedene Untergruppen wurden mit der sofortigen Besichtigung der möglichen Gelände in den betreffenden Städten beauftragt.

Die Ergebnisse dieser Exkursionen wurden von der HQ Kommission auf ihren Sitzungen zwischen dem 04. & 09.12.1946 diskutiert. Anstatt einer Einigung damit näher zu kommen, verhärteten sich die Fronten zwischen den verschiedenen Standort- Befürwortern zunehmend.

Die „Stunde der Rockefellers“

Der Abbruch der Bemühungen und die Vertagung auf die 2. Generalversammlung im Jahr 1947 standen unmittelbar bevor, als am 11.12.1946 der Delegierte der USA, Senator Warren Robinson Austin (Rotary-Club), ein Angebot von John D. Rockefeller Jr. vom Vortage unterbreiten konnte.

Warren Robinson Austin

Die Förderer der „Vereinten Nationen“ planten ja eine unabhängige Stadt als neue Welthauptstadt zu errichten, doch zahlreiche Hindernisse zwangen die Organisation dazu, ihre Pläne auf das gegenwärtig Bekannte herunterzuschrauben. Und doch wollten sich die Global-Player diese Chance nicht entgehen lassen.

William Zeckendorf (Vor dem
Konkurs seines Unternehmens im Jahr 1965 wurde Zeckendorf übrigens als Verkörperung weiterer glamouröser Immobiliengeschäfte bekannt.)

William Zeckendorf (1905 1976) war mit seiner Entwicklungsgesellschaft „Webb and Knapp“, für die er 1938 zu arbeiten begann und die er 1949 erwarb, verantwortlich für die Entwicklung eines bedeutenden Teil des Stadtbildes von New York City. Die Architekten I.M.Pei und Le Corbusier entwarfen Bauten für Zeckendorfs Entwicklungsprojekte.

Angebotsschreiben von John D. Rockefeller jr.

Zeckendorfs bemerkenswertester Grundstückserwerb und die potenzielle Entwicklung einer „Traumstadt“, welche mit dem Rockefeller Center konkurrieren sollte, war ein gut 69.000 m² großes Grundstück am East River.

Im Dezember 1946 kauften dann der prominente Architekt Wallace Harrison und Nelson Rockefeller das Gelände für 8,5 Millionen Dollar (umgerechnet ca. 118 Millionen Dollar im Jahr 2021). Damit war fürs erste das Thema Konkurrenz zum eigenen Center ausgeschaltet.

Wallace Harrison

Durch den politischen Einfluss des Sohnes Nelson war er in der Lage, es der Stadt New York zu „schenken“. Rockefeller war bereit, das erworbene Grundstück unter Auflagen zu „stiften“, wenn die Vereinten Nationen ihrerseits bereit waren, das Gelände in Manhattan zwischen First Avenue und Franklin D. Roosevelt Drive und zwischen der 42. und 48. Straße zu erwerben, das ihm selbst von Zeckendorfs Projektentwickler Webb and Knapp, Inc., als Eigentümer des größten Teils des Geländes, zum Kauf angeboten worden war.

WEBB & KNAPP Obligation (Abb.: UNPI)

Bedingungen betrafen die Mitwirkung der Stadt New York weiteres Gelände zur Verfügung zu stellen, Steuerfreiheit zu gewähren, gewisse Hoheitsrechte einzuräumen, eine kostenlose Strom- und Wasserlieferung und so weiter. Das Angebot war zudem auf 30 Tage befristet. Unter diesem „produktiven“ Druck stimmte die „HQ Kommission“ bereits am 12.12.1946 dem Angebot zu. Auf der Sitzung der Generalversammlung am 14.12.1946 wurde das Angebot mit 44 zu 7 Stimmen angenommen. Chapeau, die privatwirtschaft- liche Einflussnahme auf die Weltorganisation konnte beginnen. Immunität eingeschlossen.

Trygve Lie, Generalsekretär der Vereinten Nationen, nimmt von John D. Rockefeller III in Vertretung seines Vaters John D. Rockefeller Jr. den symbolischen „8,5 Millionen-Scheck“ für die Übernahme des sechs Blocks umfassenden Grundstücks am East River in Manhattan entgegen, auf dem künftig die Vereinten Nationen ihren ständigen Hauptsitz errichten werden. Der Bürgermeister der Stadt New York, William O’Dwyer, ist auf den Unterzeichnungs-Fotos links zu sehen. Die Zeremonie fand am ersten Jahrestag der Gründung des Sicherheitsrates im Empire State Building von New York am 25. März 1947 statt.

Weitere Auflagen, die an das „Geschenk“ von Rockefeller geknüpft waren, erforderten u. a. den Abriss und die Umsiedlung von Wohnhäusern, Gewerbebetrieben und öffentlichen Gebäuden sowie den Erwerb von weiteren in Privathand befindlichen Grundstücken, was meist durch staatliche Enteignung erfolgte. All diese Maßnahmen konnten am 13.04.1947 im Rahmen einer offiziellen Feier als abgeschlossen betrachtet werden.

Am 26.06.1947 wurde dann das Abkommen von Trygve Lie und dem US-Außenminister George C. Marshall unterzeichnet, dass den Vereinten Nationen in neun Artikeln Privilegien und Beistand für die Errichtung und Unterhaltung des Hauptquartiers zusicherte.

Die Rockefeller-Familie hatte seit dem enge Verbindungen zu den Vereinten Nationen. In seinen Memoiren schrieb David Rockefeller:

„Manche glauben sogar, dass wir Teil einer geheimen Kabale sind, die gegen die Interessen der Vereinigten Staaten arbeitet, und bezeichnen meine Familie und mich als ‚Internationalisten‘, die sich mit anderen auf der ganzen Welt verschworen haben, um eine stärker integrierte globale politische und wirtschaftliche Struktur aufzubauen eine Welt, wenn man so will. Wenn das der Vorwurf ist, bin ich schuldig, und ich bin stolz darauf.“

Das World Trade Center-Projekt wurde von David Rockefeller jr., dem Vorsitzenden der Downtown-Lower Manhattan Development Association (DLMA), und seinem Bruder Nelson vorangetrieben. Nelson war zu dieser Zeit Gouverneur von New York. Beide Brüder setzten sich außerordentlich stark für das Projekt der „Internationalisierung der Politik unter amerikanischer Aufsicht“ ein.

Die Woche der Vereinten Nationen wurde am 18. Oktober 1948 mit einer Zeremonie auf dem „Rockefeller Plaza“ in New York City eröffnet.

David Rockefeller
(12.06.1915 20.03.2017)

Der wahre starke Mann unter den Enkeln des großen Rockefeller war der jüngste, David, welcher am 20. März 2017 im Alter von 101 Jahren starb. Er trat 1946 in die Bank seiner Familie, die Chase National Bank ein und stieg im Alter von nur 31 Jahren zum CEO und Vorsitzenden des Verwaltungsrats des inzwischen zur Chase Manhattan Bank gewachsenen Institutes auf. Infolge dieser Position und unter Verwendung seines Namens knüpfte er eine ganze Reihe von diplomatischen, geschäftlichen und freundschaftlichen Beziehungen zu verschiedenen Persönlichkeiten in der ganzen Welt, und zwar in einem solchen Ausmaß, dass er in einem Interview im Dezember 2003 erklärte:

„Da ich früh angefangen habe, kenne ich, glaube ich, mehr Staatsoberhäupter als jeder andere, mit Ausnahme von Henry Kissinger, aber vielleicht auch von ihm“.

Er pflegte persönliche Freundschaften mit Gianni Agnelli, dem chinesischen Staatschef Deng Xiaoping, Nelson Mandela, dem Schah von Persien, Reza Pahlavi, sowie mit dem bereits erwähnten ehemaligen US-Außenminister Kissinger. Er traf mehrere Diktatoren, darunter Fidel Castro, Saddam Hussein und Augusto Pinochet. Obwohl er nie daran interessiert war, in die Politik zu gehen, war er ein einflussreicher Berater verschiedener amerikanischer Präsidenten. 1973 gründete er die Trilaterale Kommission, eine Denkfabrik, und nahm an mehreren Treffen der Bilderberg-Gruppe teil, einem privaten Forum, das jedes Jahr verschiedene mächtige Personen und Lobbyisten aus der ganzen Welt zusammenbringt. Er war auch Mitglied und Vorsitzender des Council of Foreign Relations, einer wiederum privaten Einrichtung, welche die US- Außenpolitik bis heute analysiert und beeinflusst. Auch die UNO wurde zu einem Baustein des internationalen Funktionierens dieses Systems.

lm Laufe des Jahres 1947 konnten dann vom „HQ Planning Office“ in Zusammenarbeit mit vielen internationalen Experten die architektonischen und statischen Baupläne entworfen werden, die auf der 2. Generalversammlung am 20.11.1947 gebilligt wurden. Weitere Detailabsprachen erfolgten 1948. Der Generalsekretär schloss mit der Fuller-Turner-Walsh-Slattery lncorporation am 28.01.1949 einen Bauvertrag. Der Bau des Hochhauses war bereits Mitte 1950 nach knapp 18 Monaten Bauzeit vollendet. In den ersten beiden Wochen des August 1950 begann der Umzug von diversen UN-Büros aus Manhattan sowie des Sekretariats aus Lake Success in das neue Hauptquartier.

Zur Finanzierung

Zwischen den USA und den UN war am 23.03.1948 ein Kreditabkommen unterzeichnet worden, wonach die Staatskasse der USA zunächst die Bausumme von 65 Millionen US-Dollar (Wertigkeit 2021 ca. 918 Millionen US- Dollar) vorfinanzierte und die UN diese grundpfandhaftrechtlich gesicherte Summe in jährlichen Raten zwischen einer und zwei Millionen Dollar über 32 Jahre zurückzahlte. Die Kreditsumme wurde zinslos gewährt.

Die letzte Rate wurde übrigens im Dezember 1982 beglichen, als Mrs. Kirkpatrick für die USA den letzten Scheck über 1.Mill. Dollar in Empfang nehmen konnte, so dass die UN in diesem Bereich gegenüber der USA schuldenfrei waren. Da die Summe gegenüber dem Staat nicht verzinst werden musste, haben die Vereinten Nationen alles in allem eine „großzügige Kreditfinanzierung“ genossen.

Die Gegenfinanzierung des steuerfinanzierten Staates bei der privaten Zentralbank FED war jedoch bepreist. Sonst hätte es sich ja auch für die Rockefellers nicht gerechnet, obwohl der Satz damals ohnehin mit knapp über einem Prozent sehr niedrig angesetzt war. Darüber hinaus lag die Inflationsrate damals bei 18%! Hier findet sich dann auch der wirklich unmittelbare monetäre Vorteil beim Investment in den Sachwert „UNO“…

Es hat sich finanziell also in jedem Fall gelohnt. Das Beispiel sollte auch in späteren Jahren noch Schule machen.

Die UN-Buchhaltung selbst sollte mit alsbald ebenfalls in finanzielle Bedrängnis geraten. Der „gastgebende“ Staat USA zahlte oft seine eigenen Mitgliedsbeiträge verspätet oder auch jahrelang gar nicht und sorgte damit für chronische Finanzierungsengpässe der in den 1990er Jahren zunehmend bürokratiesierten Weltorganisation. Diese Unterdrucksetzung wurde zum verbal-aggressiven Merkmal des Hegemonialanspruchs. UN-Einsätze in vielen Ländern der Welt kosteten Geld. Einnahmen akquirierten die Buchhalter von nun an zunehmend aus privaten Spendengeldern und versuchten sich Jahrzehnte lang an einer nicht wirklich gelingen wollenden Entbürokratisierung. Dass private finanzielle Zuwendungen jedoch selten uneigennützig erfolgen, liegt auf der Hand. Auflagen, Vereinbarungen, Sonderrechte, bis hin zur diplomatischen Immunität von Vertretern von privatwirtschaftlichen Lobby-Vereinen (z.B. Impf-Allianz GAVI) wurden zum Preis.

Somit wandelte sich das Bild der Weltorganisation fast unmerklich von einer hoffnungslos bürokratischen, hin zu einer von Lobbyisten korrumpierten Interessenvertretung, welche zur politischen Unterstützung maximierter Gewinnerzielungs- absichten einiger weniger Multimilliardäre und deren materiellen Sicherung für die Zukunft dienen sollte.

Wie man durch die Einstellung von Beitragszahlungen private Investoren für die UNO generierte…

Umsetzung

Während der täglichen Sitzungen von Februar bis Juni 1947 erarbeitete das Team mindestens 45 Entwürfe und Varianten. Anstatt einen Wettbewerb für die Gestaltung der Einrichtungen des Hauptsitzes auszuschreiben, beschlossen die Vereinten Nationen, ein multinationales Team führender Architekten mit der gemeinsamen Planung zu beauftragen. Wallace K. Harrison wurde zum Planungsdirektor ernannt. Der „Stifter“ koordinierte also auch die Entwicklung des Projektes.

Wallace K. Harrison (Harrison & Abramovitz), als amerikanisches Architekturbüro „gewann“ dann auch noch die Leitung ohne weltweite Ausschreibung und betreute die Bauplanung und Koordinierung aller Architekturbüros.

Er leitete ein Gremium von Designberatern, die sich aus Architekten, Planern und Ingenieuren zusammensetzten, welche von den Mitgliedsregierungen benannt wurden. Das Gremium bestand aus N. D. Bassov (Sowjetunion), Gaston Brunfaut (Belgien), Ernest Cormier (Kanada), Le Corbusier (der wieder mit Zeckendorf in Verbindung zu bringen war, aus Frankreich), Liang Seu-cheng (China), Sven Markelius (Schweden), Oscar Niemeyer (Brasilien), Howard Robertson (Vereinigtes Königreich), G. A. Soilleux (Australien) und Julio Vilamajó (Uruguay).

Temporäre Sitze der UNO in New York von 1946 – 1952

In Lake Success wird der erste Umzugswagen mit Büromöbeln vom Lake Success zum neuen Hauptsitz beladen (Foto aus dem Archiv der UN)
(Buchversion des ersten Bandes: https://aerophil.de/shop/?NEEDL=83754&showArchive=1&Suchauftrag=1#toggleButton1)

Fortsetzung folgt