Thematisiert wird hier die Zeit des Völkerbundes (Société des Nations), der UNO in Genf und New York.
In den vergangenen 12 Monaten (Stand Februar 2024) habe ich mich mit der Vervollständigung des 3-bändigen aerophilatelistischen Mammutwerkes eines Kataloges verfasst, dass nunmehr insgesamt um die 1.700 Seiten umfasst und eine Recherchezeit von ca. vier Jahren bedurfte.
Teil 1 beschäftigt sich mit Flugpostzuleitungen und Direktauflieferungen ab den Konferenzen und dem Büro des Völkerbundes zu Zeppelinflügen, Schleuderflügen im Atlantik, Erstflugpost der damaligen Fluggesellschaften, mit dem Gebiet UNO-Genf und New York.
Der 2. Teil beschäftigte sich mit der UNO in Wien sowie der caritativen Ballonpost.
Im 3.Teil wird es ganz besonders bunt. Weltraum und Raketenpost, wie auch Segelflugpost und weltweite Ballonpost sind hier katalogisiert. Den größten Teil nehmen jedoch die Zuleitungen zu weltweiten Erstflügen ein. INTERFLUG, LUFTHANSA, AIR LINGUS, JAL und so weiter… Der Band ist in der Tat einmalig.
Zu jedem der Bände gibt es einleitende Textpassagen, die ich nach und nach hier vorstelle. Alle zusammen finden sich als Basis zu einer noch detaillierteren Abhandlung zur „Internationalisierung des Alltäglichen“.
Kapitel 1
Grobe Zeitleiste bis zur Gründung der Vereinten Nationen (Nations Unies/ United Nations), der UNO
24. August 1939 – Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion als bilateraler Vertrag mit Zusatzprotokoll;
01. September 1939 – Überfall Deutschlands auf Polen;
17. September 1939 – Besetzung der polnischen Ostgebiete durch die Sowjetunion (nachdem die Regierung ins Exil flüchtete);
28. September 1939 – Grenz- und Freundschaftsvertrag zwischen Deutschland und der Sowjetunion nach der Kapitulation Warschaus als bilateraler Vertrag;
14. Dezember 1939 – Ausschluss der Sowjetunion aus dem Völkerbund als Reaktion auf die Besetzung eines Teils von Finnland (Karelien);
22. Juni 1941 – Beginn des Großen Vaterländischen Krieges für die Sowjetunion mit dem Überfall des vertragsbrüchigen Deutschlands;
August 1941 – Während der Atlantikkonferenz vor der Küste Neufundlands verkündeten Präsident Franklyn D. Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill gemeinsam, dass eine wirksame internationale Organisation erforderlich sei, um den Völkerbund zu ersetzen, welcher den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nicht verhindern konnte.
Dort wurden Roosevelts vier Freiheiten als Grundfreiheiten verkündet, die Menschen „überall auf der Welt“ genießen sollten:


Rede- und Meinungsfreiheit,
Religionsfreiheit,
Freiheit von Not,
Freiheit von Angst.
29. September und 01. Oktober 1941 – Josef Stalin traf sich mit Abgesandten der USA (Averell Harriman) und Großbritanniens (Lord Beaverbrook), um über die Ausweitung des amerikanischen Leih- und Pachtgesetzes auf die Sowjetunion und die Organisation von Lieferungen zu verhandeln. Ergebnis war das „Moskauer Protokoll“ vom 2. Oktober 1941, in dem sich die Vereinigten Staaten zur Lieferung von Rüstungs- und kriegswichtigen Gütern im Wert von einer Milliarde Dollar bis zum 30. Juni 1942 verpflichteten. Auch bekannt als „Beaverbrook-Harriman-Mission 1941“
01. Januar 1942 – Der Begriff „ Die Vereinten Nationen“ wurde erstmals einige Wochen nach dem erwarteten Angriff auf Pearl Harbor von Roosevelt angekündigt. Es war der Name, welcher der Koalition von Ländern gegeben wurde, die von den Vereinigten Staaten, Großbritannien und der Sowjetunion geführt würden, um die japanische und deutsche Aggression zu besiegen.

Nationen“
01. März 1942 – Erster Luftangriff auf die Zivilbevölkerung Lübecks durch die Royal Air Force. Der Angriff markierte den Beginn der am 14. Februar 1942 beschlossenen „Area Bombing Directive“.

12. bis 17. August 1942 – Stalin und Churchill sowie Harriman trafen sich in Moskau, Thema der Gespräche waren die Kriegspläne der Alliierten für Nordafrika und für die Errichtung einer „Zweiten Front“ in Europa durch die amerikanische Landung in Frankreich. Auch bekannt als „Moskauer Konferenz 1942“

Am 9. Oktober 1942 veranstaltete der Rotary Club New York das Mittagessen der „Vereinten Nationen“, und Sir Gerald Campbell, der bekannte Sonderassistent des britischen Botschafters, sprach vor 600 Mitgliedern und Gästen im Hotel Commodore. Er teilte den Rotariern mit, dass die „Vereinten Nationen“ nach und nach Einheit und Organisation erreichen würden. An dem Mittagessen nahmen auch einundzwanzig Handels- und Konsularbeamte teil.
Am 15. Februar 1943 waren bereits mehr als vierzig Länder den „Vereinten Nationen“ gegen die Achsenmächte beigetreten, hatten die diplomatischen Beziehungen abgebrochen und eine Kriegserklärung unterzeichnet.




16. April 1943 – Ray O. Wyland als Präsident des Rotary Clubs New York überträgt sein jährliches Mittagessen am „Panamerikanischen Tag“ simultan mit dem Hauptredner, Unterstaatssekretär Sumner Welles. Der Sekretär zeichnete die Entwicklung der Beziehungen der Vereinigten Staaten zu den anderen mittel- und südamerikanischen Republiken nach. Der Angriff auf die Zölle von 1921, 1922 und 1930 sei „eine langsame Abschnürung des internationalen Handels“, welche zu einer der Hauptursachen der „Weltkrise“ wurde. Er versicherte, dass andere Republiken der westlichen Hemisphäre „niemals die Verwerfungen vergessen werden, die im Wirtschaftsleben vieler von ihnen durch die aufeinanderfolgenden Zollerhöhungen in den Vereinigten Staaten verursacht wurden.“
Im Oktober 1943 wurden auf der Moskauer Konferenz die „Großen Drei“ und China (jetzt als die „Großen Vier“) eine VierMächte-Allianz gebildet, die sich verpflichtete, nach dem Sieg mit der Schaffung einer internationalen, militärischen Kraft und Organisation zu beginnen, um den Frieden zu wahren und jede zukünftige Aggression schnell einzudämmen. Zudem ging es um den Eintritt der UdSSR in den Krieg gegen Japan. Die „Moskauer Erklärung“ beinhaltete die Notwendigkeit, „…zum frühestmöglichen Zeitpunkt eine allgemeine internationale Organisation zu gründen, die auf dem Prinzip der souveränen Gleichheit aller friedliebenden Staaten beruht“ und „zur Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit und zu der die Mitgliedschaft für alle diese Staaten, groß oder klein, offen sein soll.“

28. November – 1. Dezember 1943 – Die Konferenz von Teheran, auch Eureka-Konferenz (Tarnname) genannt, fand als erste Konferenz der Regierungschefs der drei Hauptalliierten der Anti-Hitler-Koalition im Zweiten Weltkrieg in Teheran statt. Hauptsächlich Probleme des militärischen Vorgehens auf dem europäischen Kriegsschauplatz im Jahr 1944 standen auf der Tagesordnung der Konferenz. Die Invasion in Frankreich wurde beschlossen.
Am 18. August 1944 – Auf dem Weg nach London spricht der Präsident von Rotary International, Richard H. Wells, vor dem Rotary Club New York und gelobte, Rotary Clubs in den Achsenländern innerhalb von 5 Jahren nach dem Krieg wieder zu gründen. Bei einem Treffen erklärte er, die Nazis hätten „Rotary aus Paris vertrieben“, aber er versprach, fast 500 europäische Rotary Clubs, die durch den Krieg aufgelöst wurden, wieder aufzubauen.




21. August – 07. Oktober 1944 – In einem Landhaus in Dumbarton Oaks, einem Anwesen in Washington DC, trafen sich Diplomaten zu einer Expertenkonferenz. Teilnehmer waren die Vereinigten Staaten (Cordell Hull), das Vereinigte Königreich (zunächst Alexander Cadogan dann Edward Wood, 1. Earl of Halifax), die Sowjetunion (Andrej Gromyko) und die Republik China (Wellington Koo). Weil die Sowjetunion nicht im Krieg mit Japan war, betrachtete sie sich nicht als Verbündeten der Republik China und die Gespräche mussten in zwei Phasen stattfinden: Großbritannien, USA und Sowjetunion gemeinsam und anschließend Großbritannien, USA und Republik China gemeinsam. Diskussionsgrundlage war ein USamerikanischer Vorschlag mit dem Titel „Tentative United States Proposal for a General International Organisation“.
Bei der Konferenz wurde der erste Entwurf für die Charta der Vereinten Nationen ausgearbeitet. Im Verlauf mehrerer Treffen einigten sich die Teilnehmer über Ziele, Struktur und Funktionsweise der neuen Weltorganisation. Die vier Mächte einigten sich auf einen Vorschlag zur Struktur der künftigen Organisation, die sie The United Nations nennen wollten.
Folgende Institutionen gründen sich in ihrer Identifikation auf dieser Konferenz: Die Generalversammlung, der Sicherheitsrat, das UN-Sekretariat und der Internationale Gerichtshof in Den Haag.


09. bis 20. Oktober 1944 – Stalin und Churchill trafen sich in Begleitung ihrer Außenminister, um über die Zukunft der Länder Ostmittel- und Südosteuropas zu beraten. Die Verhandlungen wurden vorbehaltlich einer späteren amerikanischen Zustimmung geführt. Einen Schwerpunkt bildete die Diskussion über die Zukunft Polens, zu der Vertreter der Londoner Exilregierung und des „Lubliner Komitees“ eingeladen wurden. Churchill erklärte, auf Einfluss in Bulgarien und Rumänien weitgehend verzichten zu wollen und im Gegenzug verzichtete die Sowjetunion auf Einfluss in Griechenland. Bekannt wurde das als „Moskauer Konferenz 1944“.
Februar 1945 – Auf der Konferenz von Jalta (Krim) wurde die provisorische Regierung Frankreichs auch eingeladen, zusammen mit den „Big Four“ eine Führungsrolle auf der Konferenz von San Francisco zu übernehmen. Themen der Konferenz waren vor allem die Aufteilung Deutschlands, die Machtverteilung in Europa nach dem Ende des Krieges und der Krieg gegen das Japanische Kaiserreich. Ort der Konferenz war der Liwadija-Palast. Darüber hinaus wurden 46 weitere Länder, die sich im Krieg gegen die Achsenmächte befanden, zur Teilnahme an der Konferenz in San Francisco eingeladen, die offiziell als Gründungskonferenz der Vereinten Nationen bekannt wurde. Ihre Mission war es, die Charta für die Vereinten Nationen im Wesentlichen entlang der Richtlinien zu erstellen, die bei den informellen Gesprächen in Dumbarton Oaks vorgeschlagen wurden.

Am 12. April 1945, zwei Wochen vor dem Treffen der Konferenz von San Francisco starb Präsident F. Roosevelt an einem Schlaganfall. Roosevelt wurde von Vizepräsident Harry S. Truman abgelöst, der sich u.a. der Gründung der Organisation annahm.
13. April 1945 – Nelson Rockefeller, der als stellvertretender Außenminister amtierte, war der Hauptredner beim jährlichen „Pan-American Day“ – Mittagessen des Rotary Club of New York. Seine Rede vor mehr als 500 Rotariern wurde auch per Funk in die westliche Hemisphäre übertragen. Rockefeller erklärte,…
„Keine Nation, ob groß oder klein, kann alle ihre Probleme allein lösen. Doch vereint stehen wir der Möglichkeit großer Produktivität, Wohlstand und Frieden gegenüber, wenn wir zusammenarbeiten. Das ist der Zweck der Zivilisation.“

Seine Rede wurde in der gesamten westlichen Hemisphäre ausgestrahlt, einschließlich Übersetzungen ins Spanische und Portugiesische. Rockefeller bekräftigte, dass die Nationen der Welt ihre Verantwortung für die weltweiten Bemühungen anerkennen und sich für eine „neue funktionierende Internationale einsetzen sollten“.


Im Mai 1945 lud Außenminister Edward R. Stettinius Jr. „Rotary International“ ein, einen Vertreter und einen Stellvertreter zur Konferenz von San Francisco zu entsenden, um als Berater für die amerikanische Delegation zu fungieren. 41 andere Nichtregierungsorganisationen wurden ebenfalls eingeladen, einen Delegierten und Stellvertreter zu entsenden. Der Rotary Club New York spielte wie viele andere Rotary Clubs eine wesentliche Rolle beim Aufbau von Unterstützung in den Gründungsjahren der Vereinten Nationen und bei der Auswahl von New York City als ständigem Hauptsitz der Vereinten Nationen. In den späten 1940er Jahren war Rotary International eine der größten „internationalen“ Organisationen der Welt. Es gab mehr als 6.800 Clubs in mehr als 81 Ländern. Darüber hinaus waren 49 der 800 hochrangigen Delegierten auf der Konferenz von San Francisco, die ihre jeweiligen Regierungen vertraten, auch Mitglieder ihrer eigenen Rotary Clubs und nutzten ihre Clubs, um Unterstützung für die bald zu gründende Organisation der Vereinten Nationen (UN) zu entwickeln.
Am 24. Oktober 1945 wurde die Charta ratifiziert und die „Vereinten Nationen“ als Organisation selbst ins Leben gerufen. Seit dem wird dieses Datum traditionell feierlich begangen. Der Völkerbund selbst wurde nach der Gründung der UNO durch die verbliebenen 34 Mitglieder am 18. April 1946 auf dessen 21. Völkerbundsversammlung aufgelöst. Durch die zeitweise parallele Existenz des Völkerbunds zur UNO sollte „dokumentiert“ werden, dass letztere keine Nachfolgeorganisation sei. Die grundlegenden Strukturen, Unterorganisationen, Gebäude und Archive sowie Teile des Personals gingen trotzdem an die UN über.
Völkerbundsmandate
Der Völkerbund war gemäß dem Versailler Vertrag (Art. 45 bis 50) für die Verwaltung des vom Deutschen Reich als Reparationsleistung abgetrennten Saargebietes zuständig. Dem Völkerbund wurden die bisher deutschen Kolonien und die von der Türkei abgetrennten arabischen Gebiete übertragen. Der Völkerbund vergab diese Gebiete wiederum als Mandate an Mitgliedsstaaten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie als
UN-Treuhandgebiete
verwaltet. Im Einzelnen waren dies ehemals österreichisch-ungarische (Stadt Fiume bzw. Rijeka), osmanische (Syrien und Libanon (französisch), Palästina (britisch), Mesopotamien (britisch), Thrakien und Smyrna (griechisch) und deutsche Gebiete (Saargebiet, Danzig, Memelland, Kamerun, DeutschSüdwestafrika/ Namibia), DeutschOstafrika, Togo, Deutsch-Neuguinea, Deutsch-Samoa).
Von zwei völlig voneinander getrennten Organisationen kann also nicht die Rede sein.


Links US-Präsident Wilson und der Schweizer Präsident Ador, abgebildet die Nationalflagge und die Rotkreuz-Symbolik, die vom Templerkreuz und dem Johanniterordenskreuz wohl unschwer zu trennen ist. Davor der wehrhafte Adler auf einem Eichen- & Olivenzweig und der gepriesene Ort des Geschehens im „Palais de la Ligue des Nations“ in Genf.
Rechts ein Bildteil eines FDC’s, der wiederum die USA als Schlüssel zur Freiheit symbolisiert.

Fortsetzung folgt